Eine unerwartete Begegnung

Manchmal, da fühlt man sich einfach nicht gut. Ich erinnere mich an einen besonders schlimmen Tag in Neuseeland. Ich wusste nicht wirklich etwas mit mir anzufangen. Obwohl ich mich in einem meiner Lieblingsländer befand, konnte nichts die negativen Gefühle und Gedanken vertreiben. Und dann kam es zu einer unerwarteten Begegnung, die alles änderte.

Ein schlechter Tag in Kaikoura

Eigentlich hatte ich mich lange darauf gefreut, wieder nach Kaikoura zurück zu kehren. Das Schwimmen mit den wilden Delfinen war einfach ein unvergessliches Erlebnis, welches ich von meiner ersten Neuseelandreise mitnehmen konnte.

Jedoch fing der Tag meines Trips nach Kaikoura schon schlecht an. Nach einer unruhigen Nacht stand ich bereits mit schlechter Laune auf. Ich hatte Liebeskummer. Ja, die Geschichte mit dem Motorradfahrer von Alaska ging noch weiter, endete aber nicht so grossartig, wie sie begonnen hatte. Zudem hatte ich mich darauf gefreut, eine alte Schulfreundin wieder zu treffend, welche zur gleichen Zeit wie ich auf der Südinsel Neuseelands war. Diese sagte mir dann aber ab, da das Wetter irgendwo anders doch schöner sei. Das hatte mich etwas mehr enttäuscht, als ich mir eingestehen wollte. Zudem musste ich feststellen, dass man zur Hochsaison in Kaikoura kurzfristig nicht so einfach eine bezahlbare Unterkunft bekommen würde. So musste ich mich auch noch damit herumschlagen, eine Bleibe zu finden. Schliesslich erfuhr ich nach meiner Ankunft in Kaikoura, dass meine geliebte Küstenstrasse, der New Zealand State Highway 1 zwischen Kaikoura und Picton, durch Erdbebenschäden noch immer nicht befahrbar sei. Das hiess für mich, einen 8-stündigen Umweg über das Inland in Kauf nehmen zu müssen, wenn ich nach Picton gelangen wollte. 

Die wilden Strände Kaikouras

Ein holpriger Weg der Küste entlang

Nachdem ich eine Unterkunft gefunden hatte, unternahm ich einen weiteren Versuch, mich auf schöne Gedanken zu lenken. Ich entschloss mich dazu, eine Robbenkolonie zu besuchen. Da mir die Küste Kaikouras so gefiel, fand ich es eine gute Idee, zu Fuss zur Robbenkolonie zu gehen. Jedoch gelang es mir nicht, einen Pfad zu finden, auf dem ich hätte gehen können. So musste ich mich zwischen steinigem Gelände oder einer Autostrasse entscheiden. Ich wählte den steinigen Weg der Küste entlang. Nur langsam kam ich vorwärts und bei jedem Stolpern wurde ich unzufriedener. Es frustrierte mich, dass nichts so sein wollte, wie ich es mir vorgestellt hatte. Immer wieder kamen Zweifel auf, ob ich doch nicht einfach umdrehen sollte, ohne die Robben überhaupt gesehen zu haben. Es war mir zum Heulen zumute. 

Ein Leidensgenosse

Plötzlich bemerkte ich, dass sich in der Ferne etwas zwischen den Steinen und Felsen bewegte. Ich ging näher ran, um besser sehen zu können. Und da sass er, ein völlig zerzauster und einsamer Pinguin, welcher wohl genau so einen miesen Tag hatte wie ich. 

Pingu, der einsame Felsenpinguin

Ich nannte ihn Pingu. Meine Vermutung war, dass sich Pingu verschwommen hatte und nun auf dem Festland Neuseelands festsass, da er sich in der Mauser (Federwechsel) befand. Während der Mauser können Pinguine bis zu 4 Wochen nicht ins Meer schwimmen und müssen somit auch hungern während dieser Zeit. Aber eigentlich verbringen Pinguine diese Zeit in grossen Kolonien und nicht alleine.

Nachdem wir uns gegenseitig begutachtet hatten, setzte ich mich neben Pingu. Gemeinsam blickten wir in die Ferne. Je mehr ich darüber nachdachte, wie ich auf Pingu gestossen bin, desto begeisterter wurde ich von dieser Begebenheit. Wow, wer stolpert schon über einen antarktischen Pinguin. Ich stellte mir vor, wie es ihn wohl an die Küste Kaikouras verschlagen hatte. Das musste eine harte Zeit für ihn gewesen sein. Und auch hungrig und alleine da zu sitzen, bereitete ihm wohl kaum besonders Freude. Dennoch schien er das Beste aus seiner Situation zu machen. Geduldig zupfte er sich immer mal wieder einen schnabelvoll Federn aus seinem Kleid, um die Mauser etwas voran zu treiben. Da Pingu so zerzaust war, viel es mir schwer, ihn einer Gattung zu zu ordnen. Höchstwahrscheinlich war er ein Felsenpinguin, welche auf Inseln rund um die Antarktis lebten.

Neben Pingu gelang es mir, wieder Freude an der tollen Landschaft und dem Wind in den Haaren. Ich merkte wie ich ruhiger wurde und ich mich begann leichter zu fühlen. Irgendwann entschloss ich mich, Pingu Tschüss zu sagen und wieder zurück zu gehen. Schliesslich wollte ich vor Sonnenuntergang wieder sicheren Boden unter den Füssen haben. 

Das Zu Hause der Pinguine

Neuseeland hat auch einheimische Pinguine. Besonders die Gelbaugenpinguine faszinierten mich. In Dunedin und Oamaru lassen sich die vom Aussterben bedrohten Pinguine beobachten. 

Ein Pärchen Gelbaugenpinguine

Das besondere der Gelbaugenpinguine ist, dass sie hügeliges Grasland in Meeresnähe aufsuchen, um in Kolonien zu leben. Pinguine sind sehr soziale Wesen. Deshalb gehören sie auch zu meinen Lieblingstierarten. In Dunedin gibt es eine Gelbaugenpinguin-Auffangstation. Viele Elterntiere lassen ihre Jungen an der Küste verhungern, da sie nicht einmal mehr genügend Fische, um sich selber zu ernähren, finden können. Diese elternlosen Küken werden von Freiwilligen aufgesammelt und in der Auffangstation solange aufgepäppelt, bis sie in einem geschützten Bereich wieder ausgesetzt werden können.

Die Betreiber der Auffangstation haben ein ausgeklügeltes Tunnelsystem gebaut, damit Besucher die Pinguine beobachten können, ohne diese zu stören. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle. Es machte mir grossen Spass den Geschichten über die Pinguine zu zu hören. Jeder Pinguin, welcher im geschützten Bereich der Auffangstation lebte, hatte einen Namen. So erzählte der Betreiber der Auffangstation, dass „Tom“ seine langjährige Liebe „Anna“ vor einer Woche an „Peter“ verloren hatte. „Peter“ hatte einfach das schönere Nest gebaut. Und „Albert“ bemerkte vor zwei Jahren, dass er doch auf Männer steht. Deshalb ist er jetzt mit „Andy“ zusammen. Da „Albert“ und „Andy“ keine eigenen Kinder haben können, hätten sie in der vergangen Brutzeit einfach das Ei von „Lisa“ und „John“ geklaut. Sie seien zwei sehr erfolgreiche Väter gewesen, obwohl „Lisa“ und „John“ lange über den Verlust ihres Eis getrauert hätten.

Abends nach Sonnenuntergang kommen die Pinguine von ihren Tauchgängen zurück

In Oamaru kann man abends am Strand die Rückkehr der Zwergpinguine beobachten. Dazu muss man einfach etwas Geduld mitbringen. Man weiss nie, wann es soweit ist und die ersten Pinguine an Land kommen und sich in ihren Nestern zum Schlafen niederlassen. 

Ich würde sagen: „Ende gut, alles gut“. Pingu hatte mir den Tag gerettet und mich wohl eine Erfahrung reicher gemacht. Manchmal muss man sich einfach durchbeissen und weiter machen. Dann kommt auch wieder etwas Schönes.

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