Spaghetti-Plausch und Meeresluft in Fort Bragg (CA)

Ich fuhr einen weiteren Tag der Pacifikküste entlang. Mein Tagesziel hiess Fort Bragg. Dort wollte ich nämlich etwas Neues ausprobieren: Couchsurfing!

 

Eine kurvenreiche Fahrt der Küste entlang

Kaum war ich mit Odin morgens auf der Strasse,    erblickte ich ein ziemlich übel zugerichtetes Auto, welches im Strassengraben lag. Der Autolenker hatte wohl sein Tempo und die Kurve unterschätzt. Ich fuhr ins nächste Dorf, Point Reyes Station, um zu tanken. Auf dem Weg dort hin, kamen mir Feuerwehr und Abschlepp-Dienst entgegen. Dieses Szenario gab mir schon etwas zu denken. Auf keinen Fall wollte ich, dass mir und Odin so etwas passiert. Deshalb fuhr ich sehr konzentriert, liess schneller fahrende Autos bei jeder Gelegenheit passieren und machte immer wieder Pausen.

Es wäre sowieso zu schade gewesen, ohne Pausen den Pacific Highway 1 zu befahren.

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Immer der Pazifikküste entlang

Ich genoss während meinen Pausen die Landschaf und den ziemlich kühlen Wind in den Haaren und richtete meine Aufmerksamkeit während der Fahrt auf die Strasse. Die Strasse führte nicht nur der Küste entlang, sondern auch durch Wälder und Grassland. Kurve um Kurve näherte ich mich Fort Bragg.

 

Vielleicht eine weitere Künstlerstadt

In Fort Bragg angekommen, schlenderte ich zuerst etwas durch die Strassen. Fort Bragg ist wohl eine der grössten Ortschaften, direkt an der Küste gelegen. Besonders auffallend fand ich, dass sich viele Einkaufsmöglichkeiten dem Verkauf von Kunst und Dekorationsgegenständen verschrieben hatten. Ist Fort Bragg vielleicht sogar auch eine Künstlerstadt, so wie Valparaiso in Chile?

Ich war mir nicht sicher. Doch die Menschen hier schienen mir sehr interessant zu sein und ich freute mich, dass ich gerade hier die Gelegenheit bekommen hatte, um Couchsurfing  auszuprobieren.

Couchsurfing ist eine Internetplattform. Man kann sich dort registrieren und sein Profil erstellen, so wie es Menschen aus der ganzen Welt auch tun können. Anschliessend kann man als Host sein zu Hause für Reisende anbieten, oder als Reisender nach einer Unterkunft bei Einheimischen suchen. Hat man  ein passendes Profil gefunden, nimmt man mit der betreffenden Person Kontakt auf. Diese Plattform soll dem kulturellem Austausch dienen. Reisende können so eine kostenfreie Unterkunft finden, während die Einheimischen etwas frischen Wind ins Haus bekommen. Die ganze Sache ist ein „geben und nehmen“.  Gastgeber und Reisender können sich gegenseitig eine (positive/neutrale/negative) Referenz schreiben, welche dann auf dem jeweiligen Profil für alle Nutzer sichtbar ist. So soll Missbrauch vermieden werden.

Nachdem ich mir die Stadt etwas angeschaut hatte, fuhr ich zum Haus meiner Gastgeberin. Sie hatte mir am Telefon bereits gesagt, dass sie möglicherweise bei meiner Ankunft noch nicht zu Hause sein wird. Das war dann auch der Fall. Deshalb entschloss ich, zu Fuss den „Glass Beach“ in Fort Bragg zu Besuchen.

Den Namen bekam der Strand wegen den bunten, kleinen Steinchen im Sand. Diese Steinchen sind aus Glas, welches vom Meer und dem Sand zu dem geschliffen wurden, was sie jetzt sind.

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Ausblick auf den Glass Beach

Da viele Besucher des Strandes Glassteinchen sammelten und mitnahmen, wurde dies nun verboten. Jay, meine Gastgeberin, zeigte mit später ihr volles Glassteinchen-Glas und sagte, dass das Entfernen der Glassteinchen nun 300$ kosten würde, wenn man erwischt wird.

Ich konnte keinen grossen Gefallen an den Glassteinchen finden. Für mich stellten sie Müll und eine Verunreinigung des Meeres dar. Touristen und Einheimischen entsorgten für lange Zeit freiwillig und mit Freude den Müll vom Strand, bis die Stadtverwaltung plötzlich dagegen war. Das fand ich schade.

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Auch Möven waren am Glass Beach zu Hause

 

Mein spontaner Volunteer-Einsatz als Couchsurferin

Nach meinem Ausflug zum Glass Beach, wurde ich von Jay in Empfang genommen. Das Profil der 60-jährigen, gebürtigen Schwedin hatte mich auf Anhieb angesprochen, weshalb ich sie kontaktierte. Als ich ihr dann persönlich gegenüber stand, wusste ich, dass mich mein gutes Gefühl nicht getäuscht hatte.

Sie hatte mir bereits Betrwäsche und eine Matratze in ihrem Wohnzimmer zurecht gelegt und zeigte mir dann das Bad und die Küche.

In der Küche erzählte sie mir, dass sie am Abend  für ein paar Stunden weg sein wird, um als freiwillige Helferin an einem Community-Event  tätig zu sein. Spontan bot ich ihr meine Hilfe an, welche sie gerne entgegen nahm.

So fuhr uns Ty, Jay’s Mittbewohner zur „Community Hall“ wo bereits viele fleissige Helferlein tätig waren. Die Gemeinschaft von Fort Bragg organisierten im Gemeindesaal einen Spaghetti-Plausch. Freiwillige kochten und servierten den Anwohnern von Fort Bragg leckere Spaghetti und sammelte damit Geld. Das gesammelte Geld wird dann in weitere Comunity-Projekte gesteckt.

Zuerst stellte mich Jay kurz einigen Anwesenden vor. Doch viel Zeit dafür blieb uns nicht, denn unsere Hilfe wurde in der Küche gebraucht. Nachdem ich einge Hände geschüttelt hatte, stellte ich mich hinter die Theke und begann den Dessert (Sträusselkuchen mit Eis) vorzubereiten, damit er später serviert werden konnte. Ausserdem gab ich Bestellungrn dem Koch weiter und machte die Spaghetti-Teller servierbereit. Schliesslich half ich auch etwas beim Servieren und Abräumen.

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Leckere Spaghetti

Doch zwischen meinen Arbeiten blieb immer etwas Zeit, um mich mit den Leuten zu unterhalten. Die Anwohner von Fort Bragg waren sehr interessiert an mir und fanden das Konzept des Couchsurfings super. Es entstanden tolle Gespräche und interessante Diskusionen. Ich erhielt Einladungen und hätte wohl noch Wochen in Fort Bragg verbleiben können.

Nachdem alle satt waren, gab es Live-Musik und die Leute schwangen das Tanzbein zu Liedern wie „Sweet Home Alabama“. Natürlich liess ich mich nitreissen und tanzte trotz fehlendem Talent wacker mit. Die Musik war richtig gut!

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Live-Musik

Ich erfuhr von Jay, dass Fort Bragg wahrhaftig  eine Künstlerstadt ist. Talentierte Musiker und andere Künstler leben hier. Es ist wohl ein besondere Lebensgefühl und die lockere Atmosphäre, welche die Künstler anlockt, meinte Jay.

Doch die Küche putzte sich nicht von selbst. Deshal hiess es nochmals arbeiten, bis ich mit vollem Bauch und vielen neuen Eindrücken mit Jay nach Hause ging. Ich war begeistert von meinem ersten Couchsurf-Erlebnis.

Nach einer Dusche, viel ich im Wohnzimmer todmüde auf meine Matratze und schlief sofort ein.

Am nächsten Morgen veraschiedete ich mich von Jay und Ty. Jay gab mir Eis für die Kühltruhe und ihre Nummer, falls ich irgendwann ihre Hilfe bräuchte, mit auf den Weg.

 

Die Fahrt der Pazifikküste entlang war genial. Ich mag es einfach, Küsten entlang zu fahren. Doch mein Highlight war ganz klar der tolle Abend, welcher ich als Couchsurfer mit den Anwohnern von Fort Bragg verbringen durfte.

 

 

4 Gedanken zu “Spaghetti-Plausch und Meeresluft in Fort Bragg (CA)

  1. Reto Bollhalder

    Du und tanzen – warum hast du davon kein Foto 😉 ?
    Die Pazifikküste ist wirklich bezaubernd. Danke für die schönen Bilder.
    Gruss – Pa + Ma

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  2. Rita

    Liebe Angela – wenn ich in deinem Blogg lese, kommen mir ganz viele Erinnerungen an meine Zeit, damals als ich mit 20 Jahren auch dieser Pazifikküste entlangfuhr….
    Coole Idee dieses Couchsurfing auszuprobieren! – schön, dass wir regelmässig an deinen Erlebnissen und Eindrücken teilhaben dürfen, ich lese deine Beiträge sehr gerne!
    Lieb’s Grüessli us Ermenswil rita und co.

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    • Liebe Rita
      Wie es wohl war, also du mit deinen 20 Jahren damals der Pazifikküste entlang gefahren bist… Es hat sich bestimmt Vieles geändert, doch es ist noch immer ein einmaliges Erlebnis, dieser Küste entlang zu fahren. Liebe Grüsse an Alle, Angela

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