Parque Nacional Chiloé – Das Strandresort der Tiere

Nachdem wir das schöne Patagonien hinter uns gelassen hatten, war das neue Ziel die chilenische Insel Chiloé. Passend zum 1. April, bescherte uns Chiloé eine spassige Begegnung mit anderen „Feriengästen“.

Das wohl verschlafenste Fischerdörfchen überhaupt

Als wir abends im Dunkeln in Ancud eintrafen, deutete noch nichts darauf hin, dass der Busbahnhof das wohl ereignisreichste Plätzchen von ganz Ancud sein würde. Ancud ist ein Fischerstädtchen, welches auf der Insel Chiloé gelegen ist.

Am Morgen darauf schauten wir uns in Ancud etwas um. Wir wollten nämlich herausfinden, wie wir am besten nach Cucao und in den Parque Nacional Chiloé gelangen.

Irgendwie schienen hier auch um 11 Uhr morgens noch alle zu schlafen. Wir schlenderten durch die Gassen und sahen zu, wie die ersten Geschäfte öffneten. So etwas wie eine Touristen-Information, war weit und breit nicht zu finden.

Etwas ratlos machten wir uns wieder zurück zum Hafen, um dort die Fischerboote zu beobachten. So sassen wir am Ufer, wärmten uns an der Sonne (wir hatten eine verdammt kalte Nacht hinter uns), assen unser übersüsses chilenisches „Morgengebäck“ und liessen uns von der ruhigen Atmosphäre treiben. Selbst das Meer schien so verschlafen wie das Städtchen, kaum eine Welle schaffte es bis ans Ufer.

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Der Hafen von Ancud

Nachdem wir weder beim Busbahnhof, noch direkt bei diversen Busunternehmen eine Busverbindung von Ancud nach Cucao gefunden hatten, beschlossen wir am nächsten Tag einfach nach Castro (grösste Stadt auf der Insel Chiloé) zu fahren, um vielleicht von dort nach Cucao zu gelangen. Das war dann auch die zündende Idee, welche uns die per E-Mail angeschriebene chilenische Tourismusorganisation bestätigte.

In Ancud ist echt weniger los, als man es vermutet. Es ist nämlich gar nicht so klein. Selbst am Freitagabend mussten wir uns mit einer Fastfood-Imbiss begnügen, da um 20:00 Uhr bereits alle Restaurants geschlossen hatten. Trotz allem gefiel mir Ancud. Es war ein typisches, zusammengewürfeltes, ruhiges und irgendwie knuffiges Städtchen, in welches sich kaum ein Tourist verirrt.

 

Dort, wo Kühe ihre Strandferien verbringen

Per Minibus, so wie auch die Einheimischen auf der Insel von A nach B reisen, gelangten wir von Ancud nach Castro und von dort schliesslich nach Cucao.

In Cucao angekommen, war der Eingang zum Nationalpark Chiloé nur wenige Schritte von der Haltestelle entfernt. Wir machten uns gleich auf den Weg. Wir wollten nämlich zum Strand, von dem wir bisher nur Gutes gehört hatten.

Der Weg führte durch dichten Urwald. Chile zeigte sich wieder einmal in einem ganz neuen Kleid. Diesmal waren es keine Gletscher oder Bergketten, sonder das dichte Grün der Pflanzen um uns herum, welches uns beeindruckte.

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Marsch durch den Urwald

Bald änderte sich die Umgebung wieder. Wir verliessen den Wald und der Weg bestand plötzlich aus Sand und nicht mehr aus Waldboden. Büsche mit Brombeeren und anderen Beerenarten säumten den Weg. Seline und ich liessen es uns natürlich nicht nehmen, die leckeren Brombeeren auch zu kosten.

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Haufenweise Beeren an den Büschen

Plötzlich kam uns auf dem schmalen Sandweg ein Pferd entgegen und verschwand dann schliesslich in den Büschen. Ich wollte natürlich wissen, wohin das Pferd verschwand. Als ich an der Stelle, an dem das Pferde den Weg verlassen hatte, ankam, stand ich plötzlich in  mit grasbewachsenen Sanddünen. Ich bemerkte weiter Pferde in den Büschen. Die Pferde wechselten die Seite und überquerten meinen Weg, um auf der anderen Seite sich wieder dem Fressen des hohen und harten Grasses zu widmen. Ich beobachtete für eine Weile die Herde und erfreute mich an ihrem Anblick.

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Stute mit Fohlen

Die Pferde entfernten sich immer weiter von uns und auch wir gingen wieder unserem Weg entlang. Die Landschaft wechselte noch einige weitere Male von Urwald zu Buschland und schliesslich wieder zur Dünenlandschaft, bis wir schliesslich am Strand ankamen.

Das Tosen der Wellen begleitete uns schon eine Weile und auch die Badegäste am Strand konnten wir bereits von einem Aussichtspunkt im Urwald erspähen. Eine grosse Kuherde weidete in den Dünen. Der Anblick zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht. Bullen, Kühe und Kälber weideten zusammen, direkt vor dem Sandstrand. Dies gab ein sehr friedliches Bild ab.

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Eine Kuhweide mit Dünengras

Nachdem ich eine Weile vergeblich versuchte, ein Kälbchen zu streicheln, gingen wir zum Strand. Dort trafen wir dann weitere Kühe an. Drei junge Bullen genehmigten sich einen Strandspaziergang. Der eine legte eine Pause ein und kaute auf einem Stück Algen herum. So sieht es als aus, wenn Kühe Meeresfrüchte verspeisen. Schliesslich folgte der Bulle seinen Kollegen und sie gingen zusammen weiter ihres Weges. Der Bulle entschloss sich dann, baden zu gehen. Ein Fluss mit Süsswasser mündete direkt im Meer. Dieser Fluss empfand der Bulle als idealen Badeort. Der Anblick war für mich doch sehr amüsant, schliesslich war heute ja auch der 1. April.

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So stelle ich mir Kühe in den Strandferien vor

Doch nicht nur die Kühe am Strand sorgten für Action. Während wir dem Strand entlang spazierten, sahen wir den Wellen dabei zu, wie sie ans Ufer donnerten. Wir gingen bis zum Ort, an dem der Fluss ins Meer einmündete. Gewaltige Kräfte wirkten dort. Der Fluss hatte eine starke Strömung und auch das Meer schlug grosse Wellen. So herrschte ein Kampf zwischen Fluss und Meer an der Mündung. Immer wieder gab es am Rand des Flusses Risse in den Sand und grosse Sandbrocken stürzten ins Wasser.

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Auch die Möwen schienen sich wohl zu fühlen

Nach einem Picknick war es Zeit, zurück zu kehren. Wir machten uns wieder auf den Weg durch Dünen, Buschland und Urwald. Im Besucherzentrum angekommen, hatten wir noch etwas Zeit um zum See zu gehen, der sich direkt neben dem Besucherzentrum befand. Wir hofften auf Seeotter zu treffen. Doch wir bekamen keine zu Gesicht.

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Das Zuhause der Seeotter

Eigentlich wäre der Plan gewesen, noch etwas Zeit in Castro zu verbringen und dort etwas zu Essen. Aus diesem Plan wurde nichts, da wir 1,5 Stunden auf den Bus warten mussten. Er hatte einen Unfall. Dies erstaunte uns nicht besonders. Wenn mein Mami wüsste, wie die auf der Insel gefahren sind… Doch Dank dieses Zwischenfalls sind wir wieder einmal auf Schweizer gestossen. Chile hat so viel zu bieten, es müssten definitiv mehr Schweizer hier anzutreffen zu sein.

 

Chiloé hielt einige Überraschungen für uns bereit. Wir verbrachten dort schöne Tage und konnten uns von den Touristenströmen, welche noch in Bariloche geherrscht hatten, erholen. 

 

 

 

 

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