Tansania, eine kulturelle Herausforderung

Nun verbringe ich noch meine letzten Tage in Tansania. Ich blicke auf eine spannende und lehrreiche Zeit zurück, welche von der tansanischen Kultur geprägt war. Ja, die tansanische Kultur stellte mich in der Vergangenheit immer wieder vor neue Herausforderungen und war nicht immer ganz einfach. Aber sie bescherte mir natürlich auch schöne Erlebnisse.

Was ein Tansanier wohl von uns hält

Weisse sind reich, alle. In den Ländern, von denen sie stammen, gibt es keine Armut.  Sonst würden sie ihr Geld den eigenen armen Leuten schenken und nicht uns. Sie könnten sich auch kein Flug-Ticket nach Tansania leisten. Sie hätten nicht die Möglichkeit, Nationalpärke zu besuchen und in diesen wahnsinnig teuren Lodges zu übernachten. Auch würden sie nicht mit ihren Smartphones, I-Pads und grossen Kameras herumlaufen.

Weisse wollen irgendwie immer helfen. Sie scheinen ein ziemlich schlechtes Gewissen zu haben. Sonst würden sie nicht einfach so ihr Geld, Essen oder ihre Kleidung verschenken und sie würden auch nicht ihre Zeit und Energie in irgendwelche Hilfsprojekte verschwenden. Ständig diese mitleidigen Mzungu-Blicke, was ist so falsch an einer Lehmhütte oder schmutziger Kleidung? Wir brauchen die Hütten nur um zu schlafen. Und während der Trockenzeit bleibt halt nicht immer Wasser übrig um die Kleidung zu waschen. (Aber natürlich könnt ihr euer Geld hier lassen, ich werde mir dann überlegen, was ich damit anstellen will.)

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Tansanische Kühe

Manchmal ist das Verhalten dieser Weissen unmöglich. Sie kommen hierher und glauben, sich wie bei sich zu Hause verhalten zu dürfen. Sie fotografieren uns in jeder erdenklichen Situation, als ob wir Tiere im Nationalpark wären. Natürlich fragen sie uns nicht um Erlaubnis. Oder weisse Frauen laufen halbnackt herum und stören sich dann daran, dass die tansanischen Männer darauf obszön reagieren. Und immer muss alles  „raka-raka“ (schnell), sein. Weisse sind ungeduldig und bestehen auf Pünktlichkeit, als ob ihr Leben davon abhängen würde.

In etwa so stelle ich mir die Gedankengänge vieler Tansanier vor, wenn sie auf einen Mzungu (Weissen) treffen.

 

Meine Situation als Mzungu in Tansania

Die Situation hat sich für mich persönlich nach den ersten Wochen in Tansania drastisch verbessert. Die Leute kennen mich mittlerweile und verstehen, dass ich nicht gekommen bin, um mit Geld um sich zu schmeissen. Sie sehen mich als „Dada“ (Schwester), welche Kinder unterrichtet. Es ist mir bis jetzt gelungen, grösseren kulturellen Fettnäpfchen geschickt auszuweichen. Den Einheimischen ist aufgefallen, dass ich mich sehr für ihre Kultur interessiere und mich von Beginn an angepasst habe. Das kam natürlich gut an.

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Ein tansanischer Junge kostet zum ersten Mal europäisches Essen

Dennoch hatte ich während meiner Zeit in Tansania immer wieder kulturell bedingte Hürden zu bewältigen. Ich ärgerte mich über die Unzuverlässigkeit, Gleichgültigkeit, Passivität und Trägheit der Einheimischen. Ich verstand nicht immer weshalb sie eine bestimmte Eintscheidung getroffen haben. Ich konnte ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen. Ihre Zeremonien und Rituale, besonders im Zusammenhang mit ihrer strengen Religiosität, waren mir manchmal etwas zu viel und stiessen bei mir schlichtweg auf Missverständnis. Um solche kulturell bedingten Hürden zu meistern brauchte es Verständins, Tolleranz, Offenheit und Respekt den Tansaniern gegenüber.

Aber es gab mehr tolle Momente, in denen ich mich von der tansanischen Gelassenheit und der entspannten Sichtweise auf das Leben mitreissen liess. Die äusserst erfinderischen Notlösungen und die Spontanität der Tansanier haben mich immer wieder erstaunt. Auch beeindruckte mich, wie die Tansanier mit den teils schwierigen Lebensumständen umgehen. Sie akzeptieren ihre Situation und viele machen das Beste daraus.  Und ihre Gastfreundschaft ist einfach unschlagbar. Es ist faszinierend zu sehen, wie wichtig den Tansaniern ihre Traditionen sind und wie sie diese ausleben. Auch war es unglaublich toll dabei gewesen zu sein, wenn Tansanier mit Musik, tanzen, singen und trommeln ihre Lebensfreude zum Ausdruck brachten.

 

Ja, ich habe so unglaubhlich viel in den vergangenen vier Monaten von den Tansaniern gelernt. Der Blick auf die tansanische Kultur liess mich meine eigene Kultur hinterfragen. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass meine Kultur auf ihre eigene Art und Weise genau so verrückt ist wie die tansanische. Sie ist eifach anders. Sie ist so anders, dass man es sich gar nicht vorstellen kann, wenn man nicht beide Seiten selber erlebt hat. Beide Kulturen haben ihre Sonnen- und Schattenseiten.

2 Gedanken zu “Tansania, eine kulturelle Herausforderung

  1. Reto Bollhalder

    Ich habe mit gosser Spannung auf diesen Artikel gewartet. Schön, dass Du dich nun von der Malaria wieder erholt hast und auch wieder schreiben magst. Wir freuen uns sehr aufs Wiedersehen und hoffen, dass Du uns noch viele von Deinen Eindrücken weitergeben kannst.
    Ich wünsche Dir einen nicht zu harten Abschied und eine schöne Rückreise. Liebe Grüsse an die Kinder, an Mama Marise, Papa Joris und die Baldegger Schwestern.
    Pa

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  2. Pingback: Über den (Un)Sinn vom Helfen wollen | Worldsafari

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