„Figure 8 Pool“ und seine Besucher

Um noch etwas mehr von Australien zu sehen, schloss ich mich Manu und Simon (zwei Südtiroler) an. Die beiden hatten sich ein Auto gekauft und nahmen mich auf ihrer Reise entlang der Ostküste freundlicherweise mit;-). In dem gemeinsamen Monat hatten wir so Einiges gesehen und erlebt. Zum Beispiel besuchten wir die „Figure 8 Pool“.

Wanderung der Küste entlang

Um überhaupt zu den „acht Pools“ zu gelangen, musste man sich schon etwas anstrengen. Denn nur ein Weg zu Fuss führte im Royal Nationalpark dahin. Das Wetter war perfekt und Manu, Simon und ich machten uns top motiviert auf den Weg.

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Der gemütliche Teil der Wanderung

Zuerst führte der Trampelpfad durch den Wald. Es war angenehm kühl und auch der Besucheransturm schien sich noch in Grenzen zu halten. Bei zu Grossem Ansturm werden nämlich keine weitern Personen mehr zu den Pools gelassen.

Ich hatte mich einen Tag zuvor über den Royal Nationalpark und die „Figure 8 Pool“ informiert, was wohl keine schlechte Idee war. Wir waren am Morgen deshalb genug früh aufgebrochen, um es noch vor den meisten „Anderen“ dorthin zu schaffen. Von Sydney aus waren es rund 1,5 Stunden zu fahren.

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Das Meer in Sicht

Sobald der Wald durchquert war, hatte man eine tolle Sicht vom Hügel auf den „Burning Palms Beach“, den es zu erreichen galt. Ein lustiger Name für einen traumhaften Standstrand mit Meer in türkis. Brennende Palmen bekam ich aber, auch bei näherem Betrachten, keine zu Gesicht.

Alle paar Meter, warteten Simon und Manu geduldig auf mich. Ich war wieder einmal die Schnecke in der Gruppe. Aber das war auch nicht weiters schlimm. So hatten die anderen etwas mehr Zeit, um die Natur zu geniessen;). Schliesslich schaffte ich es auch bis zum Strand. So schön, oder wie die Südtiroler sagen: „So schien!“.

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Am Strand angekommen

Der Strand war schnell überquert und anschliessend führte der Weg direkt der Küste entlang. Deshalb muss man bei der Wanderung auch die Gezeiten beachten. Man kann die Pools nur bei Ebbe erreichen. Alles andere wäre extrem gefährlich. Bei zunehmender Flut steigt das Risiko beträchtlich, von den auf die Felsen klatschenden Wellen erfasst und ins Meer gezogen zu werden.

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Dem Simon gefällt’s

Auch war streckenweise Gleichgewicht und Balance gefragt, um sich von einem Stein zum nächsten zu begeben.

Besonders gut gefielen mir das Gestein, welches wie zusammen gesetzte Platten aussah. Das hatte ich so noch nie gesehen und ich fand das Muster einfach toll. Ausserdem waren diese „Platten“ viel gemütlicher zum Begehen, als von Stein zu Stein zu hüpfen.

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Ein spezielles Muster

Und dann war es so weit und wir erreichten unser Ziel, die „Figure 8 Pool“.

 

Das grosse Spektakel um die Pools

Je näher wir den Pools kamen, desto mehr Leute waren um uns herum. Das war nicht weiter erstaunlich. Doch wie viel Platz die einzelnen Leute brauchten, erstaunte mich dann doch ziemlich. Ich war ehrlich gesagt etwas geschockt von dem Spektakel, welches sich mir da bei den 8 Pools bot.

 

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Wildes Meer

Wie verrückt wurde mit Selfie-Sticks in der Gegend herum gefuchtelt und Leute weg gescheucht, da von den vielen, vielen Backpackern jeder sein eigenes fotografisches Meisterstück haben wollte. Auf dem Foto wollten sie alleine sein, ohne andere Leute auf dem Bild, aber bitte schön mit allen 8 Pools. Ja, die Stimmung war irgendwie gereizt. Vor lauter Ehrgeiz, um das bessere Foto als alle andere zu bekommen, vergassen offensichtlich viele, den Moment zu geniessen und zu wertschätzen.

Zum Beispiel war da ein junger französisch sprechender Herr der mit „Excuse me“ (das war wohl alles, was er an Englisch drauf hatte) versuchte alle anderen weg zu jagen, damit er seine sich in einem der Pools räkelnde Freundin, ungestört ablichten konnte. Er hielt ganz offensichtlich sehr viel von sich und seiner „gut aussehenden“ Freundin. Dabei war er definitiv kein Star-Fotograf und seine Freundin ganz bestimmt auch kein Supermodel. An ihrer Stelle hätte ich den Po nicht so selbstbewusst in die Kamera gestreckt, der war nämlich nicht so toll, wie ich fand (Simon fand ihn übrigens auch nicht so toll).

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Vorstellung

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Realität

Etwas abseits vom Getümmel war es dann aber sehr angenehm und richtig schön. Es gab entlang der Küste immer wieder Gelegenheit, sich auf einen Felsen zu setzten und mit dem Blick aufs Meer die Seele baumeln zu lassen. Was will man mehr…

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Hier lässt es sich entspannen

 

Die Spezies „Backpacker“

Ich will hier doch noch kurz auf die „Backpacker“ zu sprechen kommen. Ich war bereits über ein Jahr auf Reisen, als ich nach Australien kam. Zuvor wurde ich noch nie als „Backpacker“, sondern immer als Reisende bezeichnet. Das änderte sich schlagartig bei meiner Ankunft in Australien. Von Anfang an bezeichneten mich die Einheimischen als „Backpacker“. Ich stellte mir die Frage, was ich denn bin, wenn ich ein Backpacker bin.

Während ich dann einen Monat zusammen mit Simon und Manu reiste, wurde mir bewusst, was ein Backpacker ist. Ich stellte fest, dass es die „netten“ und die „rüpelhaften“ Backpacker gibt. Natürlich gibt es noch viele Abstufungen zwischen „nett“ und „rüpelhaft“ (ich mag Weiss-Schwarz-Denken nicht besonders). Australier sind unkompliziert, deshalb ist bei ihnen der Begriff „Backpacker“ ein Überbegriff für alle Reisenden. Ich jedoch bevorzuge es definitiv „Reisende“, oder zumindest „nette“ Backpackerin genannt zu werden;).

Vereinfacht gesagt sind die „netten“ Backpacker Reisende wie ich, denen ich schon oft in fast allen Kontinenten dieser Welt (in Asien war ich noch nie) begegnet bin. Sie wollen die Welt entdecken, ihre eigene Komfortzone verlassen, Erfahrungen sammeln, Dinge lernen/verstehen und sich persönlich weiter entwickeln.

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Wir, die „netten“ Backpacker

Die „rüpelhaften“ Backpacker sind meiner Meinung nach meistens junge Leute im Alter von 18 bis 30 Jahren, welche die Zeit ihres Lebens erleben (wollen). „Raus aus dem langweiligen Alltag von zu Hause und rein ins Australische Abenteuer!“, scheint das Motto zu sein. Ziel ist es in der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit, für möglichst wenig Aufwand, so viel wie möglich zu erleben, komme was wolle. Dass heisst, es soll alles so günstig wie möglich sein. Die Komfortzone sollte wenn möglich auch nicht allzu oft verlassen werden müssen, es sei denn es geht darum, mutiger und cooler als alle anderen zu sein. Dabei gerät Respekt und Vernunft zeitweise ziemlich in Vergessenheit.

Die „rüpelhaften“ Backpacker scheinen sich irgendwie in Australien domestiziert und stark verbreitet zu haben. Denn noch kaum irgendwo anders bin ich auf so viele rüpelhafte Reisende, wie in Australien gestossen. Ich frage mich, woran das liegt. Ich meine, wieso muss man mit einem Ghettoblaster durch einen Nationalpark rennen?!? Dafür könnte man ja eigentlich zu Hause bleiben und würde dort zumindest nicht die vom aussterben bedrohten Koalas belästigen…

 

Die Wanderung zu den „Figure 8 Pool“ war echt ein Erlebnis. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass Australien landschaftlich echt viel zu bieten hat. Da ist es natürlich klar, dass man so ein Highlight wie diese Pools mit anderen teilen muss. Das Teilen fällt mir mit den „netten“ Backpackern schon viel leichter, als mit den „rüpelhaften“. Aber ich will ja auch tolerant sein und akzeptieren, dass es für gewisse Leute wichtig ist, sich so in Szene setze zu können. Deshalb: Passt schon, jedem das Seine!

 

 

3 Gedanken zu “„Figure 8 Pool“ und seine Besucher

  1. Maria Wegmann

    Liebe Angela
    Das sieht aber sehr schön aus. Diesen Ort kennen wir nicht. Aber Australien ist ja so gross, dass man nicht alles sehen kann. Bin gespannt, was sich alles in den fast 15 Jahren geändert hat. Vor 15 Jahren war der Westen noch nicht so viel bereist hingegen der Osten vor ca. 9 Jahren schon. Wir gehörten natürlich auch zu den Reisenden und nicht zu den Backpackers 🙂 Hoffe, dass Du noch viele schöne Momente geniessen kannst.
    Liebe Grüsse
    Gotti

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    • Hoi Gotti, ja ihr gehört nicht zu den Backpackern, das ist auch gut so;). Ich denke das für mich die Ostküste als Backpacker so gepasst hat. Aber euer Reisestil sagt mir schon mehr zu. Wenn ich es geschafft habe, meine Reisekasse eines Tages wieder randvoll bekommen zu haben, muss ich den Westen und Tasmanien unbedingt auch noch erkunden. Bis dahin erfreue ich mich an euren Erzählungen!

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  2. Reto Bollhalder

    Ja die Kultur der Touristen ist vielfältig. Mich freuen immer wieder deine schönen Bilder und natürlich auch der interessant abgefasste Bericht. Das liest sich so leicht und macht Lust auf mehr …..
    LG Pa

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