Das Farmleben in Australien

In Australien angekommen, verschlug es mich zuerst zu den Bunya Mountains. Dort wartete nämlich eine australische Bauernfamilie auf mich, welche mich für die kommenden Wochen bei sich aufnahm. So bekam ich einen ersten Einblick in das Leben der Australier, während ich bei der täglichen Arbeit mithalf.

Shane und Nancy leben mit ihren beiden Töchtern Emiley (13) und Laura (2) in den Hügeln vor den Bunya Mountains. Die Familie führt eine Farm mit Rund 150 Schafen und etwa über 100 Kühen und ihren Kälbern. Für australische Verhältnisse ist das ein ziemlich kleiner Betrieb. Dennoch hatten wir alle Hände voll zu tun.

Romeos komplizierte Geburt

In den ersten Wochen meines Farmaufenthaltes kamen fast jeden Tag Lämmer oder Kälbchen auf die Welt. Meistens geschah dies, ohne unseres Zutun. Doch ab und zu benötigte die werdenden Mütter doch etwas Hilfe.

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Ein frisch geborenes Lamm

Etwas komplizierter war die Geburt von Romeo. Ruby, seine Mutter ist eine der wenigen Milchkühe. Ruby und ihre Kollegin Jules versorgen die Familie und drei Kälbchen (manchmal haben Mutterkühe, welche für die Fleischproduktion gezüchtet werden, nicht genügend Milch, um ihr Junges zu versorgen) mit ihrer Milch. Jeden Morgen und Abend wurden sie von uns gemolken.

Wir wussten, dass Ruby trächtig ist. Doch wann das Kälbchen kommen würde, war unklar. So musste es natürlich sein, dass Ruby genau an einem Wochenende, an dem Shane nicht zu Hause war, gebären musste.

Etwas stimmte nicht. Denn es hing nur ein Vorderbein und auch schon die Nase von Romeo aus der Vagina von Ruby. Damit ein Kälbchen aber den Geburtskanal problemlos passieren kann, müssen beide Vorderbeine bereits draussen sein, bevor der Kopf kommt. Zuerst versuchte es Nancy, Romeo im Mutterleib zu drehen und das zweite Bein heraus zu ziehen. Doch die zierliche Frau hatte keine Chance. Also versuchte ich es. Ich steckte meinen Arm bis zur Schulter in Ruby’s Vagina und versuchte Romeos Bein zu fassen und heraus zu ziehen. Bei jeder Kontraktion, die Ruby hatte, wurde mein Arm ziemlich schmerzhaft zwischen Romeo und den Hüftknochen von Ruby eingequetscht. Ich bekam sein Bein zu fassen, es war jedoch unmöglich an dessen Position etwas zu verändern. Also rief Nancy die Tierärztin an, welche mir über das Telefon Anweisungen gab, während sie sich auf den Weg machte.

Ich musste Romeos Kopf wieder zurück in den Gebärkanal drücken. Rome atmete aber bereits durch seine Nase, weshalb ich ziemlich schockiert war, als mir die Tierärztin diese Anweisung gab. Sie meinte, ich soll es einfach tun, das würde dann schon gehen. Naja, eine andere Wahl hatten wir sowieso nicht. Aber ich machte mir keine grossen Hoffnungen mehr, dass da Romeo noch lebend raus kommen würde.

Als ich Romeo wieder zurück gestossen hatte, versuchte ich nochmals das zweite Bein von Rome zu erfassen und es raus zu ziehen. Doch da ich keine Tierärztin bin und auch die Anatomie einer Kuh nicht vor Augen hatte, schaffte ich es nicht, Rome in den richtigen Winkel zu bekommen, um das Bein raus zu ziehen. So mussten wir doch auf die Tierärztin warten, welche 45 Minuten später eintraf. Während dieser Zeit hielt ich Rubys Vagina etwas geöffnet, damit Romeo etwas Luft bekam. Seine Nase war schon ziemlich blau angelaufen.

Als die Tierärztin dann endlich vor Ort war, dauerte es noch weitere 90 Minuten, bis wir Romeo vollständig draussen hatten. Er blieb nämlich mit seiner Hüfte auch nochmals Stecken. Ruby hatte von der Tierärztin eine PDA erhalten, damit sie keine Schmerzen mehr spürte, während wir an ihr herumzerrten.

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So will niemand auf die Welt kommen

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Fast geschafft

Als Romeo draussen war, folgte ein weiteres Problem. Ruby, hatte ihr rechtes Hinterbein in einer völlig komischen Position. Dies deutete auf eine Verletzung eines Nervs hin. So konnte Ruby auch nicht mehr aufstehen. Anschliessend mussten wir Ruby über Wochen mit einer Hüftgurte und dem Bagger aufstellen, da der Nerv Zeit brauchte, um zu heilen. Das war echt viel Aufwand und sehr anstrengend. Doch es hat sich gelohnt. Nach einem Monat konnte Ruby das erste Mal wieder alleine aufstehen. Ruby magerte ziemlich ab und benötigte noch einige weitere Wochen, um sich vollständig zu erholen.

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Wenigstens steht Ruby wieder

Und Romeo war bereits wenige Minuten nach seiner Geburt wohl auf, hungrig und ziemlich verspielt. Sogar die Tierärztin verliebt sich sofort in ihn. Deshalb tauften wir ihn Romeo, weil er so ein Charmeur war.

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Romeo kuschelt mit seiner Mutter

 

Und sonst so…

Natürlich sorgten wir uns auch um das Wohlbefinden der anderen Tiere. Jeden Tag besuchten wir die Kühe auf den grossflächigen Weiden, um zu schauen, ob es allen gut geht. Die Schafe holten wir jeden Abend nach Hause, da die Dingos sonst schon längst alle  gefressen hätten.

Die Kontrolle der Tiere auf den verschiedenen Weiden, verbanden wir auch immer gleich mit der Wasserkontrolle. Jeden Tag kontrollierten wir, ob die Wasserpumpen funktionierten und sich genügend Wasser in den Trögen für die Tiere befand. Den ein leerer Wassertrog kann unter der Sonne Australiens ziemlich schnell zum qualvollen Verenden von Kühen und Schafen führen.

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Am Wasser erfreuen sich alle Tiere

Ausserdem mussten Kühe und Schafe regelmässig entwurmt und geimpft werden. Dazu holten wir die Kühe oder Schafe nach Hause. Wie bereits in Kanada, wurde die Arbeit mit den Kühen vom Pferd aus erledigt. Das machte mir natürlich besonders Spass. Da mir dies so viel Freude bereitete, verbrachte ich auch einen Tag bei einem Nachbarn, der eine über 1000-köpfige Viehherde hatte.

 

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Hoch zu Pferd macht die Arbeit richtig Spass

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Das Vieh in Australien sieht anders aus, als das in Kanada. Es ist auch hitzeresistenter

Auch sonst war immer viel los. Die Familie hielt mich immer auf Trab. Es war Weihnachtszeit und da gab es natürlich viel vorzubereiten, damit das Fest mit den Verwandten gefeiert werden konnte. Zusammen mit Nancy habe ich das Weihnachtsessen vorbereitet. Überhaupt hatte ich viel gekocht und gebacken, als ich bei der Familie war. Ich werde noch zu einer richtigen Hausfrau während dem Reisen;).

Zudem war da auch Laura, das 2-jährige Mädchen. Sie war unglaublich süss und lustig und ich beschäftigte mich sehr gerne mit ihr. Sie hatte immer neue Ideen und wollte bei Allem mit dabei sein und natürlich tatkräftig mithelfen. Ja, manchmal hätte ich auch gerne auf ihre „Hilfe“ verzichtet, zum Beispiel dann, als sie die gesamte Milch auf den Boden kippte, oder als sie ihr Kinderzimmer mit Babypuder eindeckte, während ich am Kochen war.

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Laura in Aktion

Die Bunya Mountains waren wirklich schön. Jeden Abend ging ich spazieren und genoss den schönen Sonnenuntergang und die Ruhe um mich herum. Besonders schön war es, auf den Hügeln oben. Einfach herrlich, und so unglaublich ruhig!

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Die Bunya Mountains

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Ein weiterer Sonnenuntergang

John – „The Australian Mountain Man“

Während meiner Zeit auf der Farm, lernte ich John kennen. Er ist der Nachbar der Familie und ich verbrachte viel Zeit mit ihm. Er war sozusagen mein neuer bester Freund in Australien. Mit seinen 77 Jahren ist er schon viel in Australien herum gekommen und hatte entschieden, dass die Bunya Mountains noch immer das schönste Plätzchen überhaupt ist. Australien hatte er noch nie verlassen.

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The Mountain Man

Jeden Donnerstag nahm er mich mit in ein Pub. Während der „Happy Hour“ trank er dann ein Bier nach dem anderen. Das Bier kaufte er sich  mit den Münzen, welches er in seinem Autoaschenbecher gesammelt hatte. Ich musste ihm dann immer ein 2.90 Dollar Häufchen vorbereiten, mit dem er anschliessend an die Bar ging und ein weiters Bier kaufte. Mir zahlte er auch immer ein Bier und das Abendessen. Dafür fuhr ich in anschliessend wieder nach Hause. Das war der Deal. Wir hatten jedes Mal eine gute Zeit zusammen und redeten über Gott und die Welt. Und wir tranken immer „Black Beer“.

Zudem gingen wir zusammen fischen. Oder er lud mich zu seiner Familie ein und seine Frau kochte mir leckeres Abendessen. Auch waren wir zusammen an einer „Christmas Party“, wo ich seine alten Schulfreunde und weitere Leute vom Dorf kennen lernte. Manchmal kam er auch einfach bei der Farm vorbei, um einen Tee zu trinken und zu reden. Er ist ein wirklich enger Freund von Shane und Nancy. Die Töchter nennen ihn sogar Opa.

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John bereitet die Netze vor

Nebst John hatte ich noch einen weiteren Freund. Er hiess Max. Max kam mit seinem Bruder zusammen auf die Welt, als ich erst einige Tage auf der Farm war. Die Mutter von Max hatte am Anfang nicht genügend Milch. Deshalb gab ich ihm für 10 Tage Milch, da ihm sein Bruder alles weg trank und Max immer schwächer wurde. Schliesslich hatte die Mutter von Max aber für beide genügend Milch und die Milch aus der Flasche wurde überflüssig.

Dennoch liess ich es mir nicht nehmen, ihn jeden Tag zu knuddeln. Das schien ihm zu gefallen. Er kam nämlich immer angerannt, wenn ich ihm rief. Dann legte er sich manchmal auch zu mir, um ein Mittagsschläfchen zu halten. Am liebsten hätte ich ihn gleich mitgenommen.

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Hallo Max

 

Die 7 Wochen auf der Farm gingen ziemlich schnell vorbei. Ich habe viel Neues gelernt, tolle Leute getroffen und coole Erfahrungen gesammelt. Alles in Allem war das ein super Ort, um den kulturellen Begebenheiten von Australien etwas näher zu kommen. Vielleicht verschlägt es mich eines Tages ja wieder einmal in die Bunya Mountains, es würde mich auf alle Fälle freuen, die Leute wieder zu sehen.

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