Alltag im Buschspital

Der Alltag im Rhotia Health Centre ist wohl kaum mit dem Alltag im Universitätsspital Zürich zu vergleichen. Es sind dennoch einige Gemeinsamkeiten zu erkennen. Einen spannenden Einblick gewähren mir die Baldeggschwestern Verona und Blasia. Sie führen seit rund 28 Jahren das Spital.

Zuerst das Gebet und dann die Visite

Wie jeden Morgen stehen die Angestellten des Rhotia Health Centre pünktlich um 8:30 Uhr im Warteraum und beginnen zusammen zu beten. Die Pünktlichkeit unterstreicht, wie wichtig vielen Tansanier der Glaube ist. In den meisten anderen Belangen sind sie nämlich nicht so pünktlich.

Nach dem Beten fragt Dr. Lema, der leitende Arzt, ob es allen Angestellten gut geht und ob es Dinge zu besprechen gibt. Dannn informier er das Team über das heutige Tagesgeschehen. Schliesslich brechen alle auf, um ihrer Arbeit nach zu gehen.

Ich mache mich mit einigen Krankenschwestern, Ärzten und Medizinstudenten auf den Weg zum Stationszimmer. Dort warten nämlich die Akten der stationären Patienten. Diese brauchen wir für die Morgenvisite.

Was uns in den Patientenzimmern erwartet

Das Rhotia Health Centre hat 40 Betten. Zuerst gehen wir ins Zimmer unserer jüngsten Patienten. Heute haben wir nur ein Kind hier. Die 7-monatige Loveness liegt im Arm ihrer Mutter und weint. Sie ist hier, weil sie einen Pneumonie hat. Jetzt erhält sie eine intravenöse Antibiothikatherapie und Paracentamol zur Schmerzlinderung und um das Fieber zu senken. Es scheint ihr nun besser zu gehen. Die meisten Kinder kommen wegen eines Infektes ins Buschspital. Oftmals warten die Eltern zu lange, bis sie mit ihren Kindern einen Arzt aufsuchen. Nachdem Dr. Lema sie untersucht hat und das weitere Procedere geklärt ist, geht es weiter ins nächste Zimmer zu den Frauen.

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Ein Patientenzimmer

Ein übler Geruch schlägt mir entgegen,als ich das Frauentimmer betrete. Ich schaue nach links und sehe eine junge Frau in einer brauenen Stuhllache im Bett liegen, während sie ihren Kopf über ein Becken hält und erbricht. Faustine hat sich Cholera eingefangen. Sie ist völlig dehydriert. In Gedanken über mögliche Übertragungswege von Cholera versunken, bekomme ich nicht viel davon mit, was gerade besprochen wird.

Schliesslich schaffe ich es, meine Gedanken beiseite zu schieben und widme meine Aufmerksamkeit Maria, unserer nächsten Patientin. Sie ist körperlich behindert seit Gebur. Ihre Familie kümmert sich liebevoll um sie. Maria kommt immer mal wieder ins Rhotia Health Centre, da ihre köperliche Behinderung viele gesundheitliche Probelme mit sich bringt. Momentan hat sie einen stark geblähtes Abdomen und konnte schon seit Tagen keinen Stuhl mehr absetzten. Man möchte jetzt die Ursachen dafür abklären.

Judith befindet sich auch in diesem Zimmer. Sie ist erst 22 Jahre alt und hat Aids. Schwerstkrank wartet sie hier auf den Tod. Ich hoffe jeden Tag, dass sie endlich sterben kann. Zum jetzigen Zeitpunk weiss ich noch nicht, dass es morgen so weit sein wird. Die Angehörigen sind gerade dabei Judith Essen in den Mund zu schaufeln. Das machen die Tansanier immer, egal wie krank die Patienten sind. Es ist eine  kulturelle Begebenheit, die ich akzeptieren muss, obwohl mir die fiebrige Judith sehr leid tut. Sie muss immer wider würgen und ist zu erschöpft um zu essen.

Wir verlassen das Zimmer und betreten dass Zimmer der Männer. Zwei stolze Massai-Männer vom gleichen Stamm sind hier. Sie haben beide Tuberkulose. Mich überrascht, wie weit verbreitet, dass Tuberkulose in Tansania ist. Vermutlich sind auch weitere Familienitglieder der beiden Männern davon betroffen. Die Massai-Männer erhalten Medikamente zur Behandlung der Tuberkulose.

Und da ist noch der 17-jährige Stefano. Er hat Diabetes Typ 1. Er ist hier, um die Insulintherapie anzupasen. Seine Blutzuckerwerte sind viel zu hoch. Die Medizinstudenten rechnen die Insluindosen, auf sein Körpergewicht abgestimmt, aus.

Im selben Zimmer ist auch der 72-jährige joseph. Er  klagt über Brustschmerzen, die ihm schon über mehrere Wochen Sorgen bereiten. Ausserdem erklärt sein Sohn, dass er im vergangenen Jahr stark abgenommen hat. Joseph wird nach Karatu verlegt, da er geröntgt werden muss und das Röntgengebäude von Rhotia noch nicht ganz fertig ist.

Weiter geht die Visite in Rosemary’s Zimmer. Sie war vor zwei Monaten in einem scheren Verkehrsunfall verwickelt. Sieben Personen kamen dabei ums Leben. Rosemary hat diverse Narben davon getragen. Rosemary wurde nach dem Unfall in einem anderen Spital behandelt und schliessich nach Hause geschickt. Zwei Wochen später öffnete sich eine Wunde an ihrem Oberschenkel. Zum Vorschein kam viel Eiter und nekrotisches Gewebe, welches dann im Rhotia Health Centre entfernt werden musste. Seit da ist sie hier. Täglich wird die Wunde gereinigt und neu verbunden, mit Honig. Heute überneheme ich den Verbandswechsel. Ich bin immer noch ganz erstaunt, wie gut die Wunde mit dem Honig heilt. Der Honig soll zwei Wirkungen haben. Zum einen soll der Honig die Bakterien in der Wunde „anziehen“, damit die Bakterien mit dem Verband zusammen weg kommen. Zum anderen versorgt er die Wunde mit Nährstoffen, welche die Wundheilung fördern.

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Wundverband mit Honig

 Ein weiterer Betrunkener im Notfallzimmer

Kaum ist die Visite fertig, werden wir ins Notfallzimmer gerufen. Ein stark alkoholisierter Mann hat sich am Fuss verletzt. Als ich das Zimmer betrete, wird mir etwas übel vom Anblick, der sich mir bietet. Ein um sich schlagender und pöbelnder Betrunkerner muss von 4 Personen festgehalten werden. An seiner linken Ferse befindet sich eine klaffende Wunde. Die Ferse hängt so zu sagen nur noch an einem Stück der Fusssohle fest. Man sieht sogar ein Stück des Knochens. Ich kann kaum hinsehen.

Schliesslich schafft es eine Krankenschwester, eine intravenöse Leitung zu legen. Der Patient wird betäubt, damit die Wunde versorgt werden kann. Zuerst wird die Wunde gereinigt und dann genäht. Davon kommt der Paient nichts mehr mit. Leider ist Alkohol ein echtes Probelm in Tansania. Beinahe täglich müssen Betrunkene medizinisch versorgt werden.

Was sonst noch alles los ist

Heute hat es nicht so viele stationäre Patienten. Aber da sind noch die ambulanten Patienten, die behandelt werden müssen. Die ambulanten Patienten werden von den Ärzten untersucht, ihnen wird wenn nötig Blut genommen, sie erhlaten bei Bedarf ihre Medikamente und schliesslich gehen sie wieder nach Hause.

Es hat Strom. Das ist super, denn so kann das Labor effizient arbeiten und alle Laborproben auswerten. Auch die Steriulisation von Instrumenten ist dank des Stroms möglich.

Während ich durch das Spitalgelände gehe, höre ich Babies weinen. Sie werden im Health Centre geimpft. Auch werden die Babies gewogen, um zu shene, wie sie sich entwickeln. Dabei erhalten die Mütter Informationen zur Ernährung und Gesundheitsförderung ihrer Kinder.

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Die Mütterberatung

Der Spitalalltag in Tansania ist anders. Die Krankheitsbilder sind für mich teilweise völlig unbekannt. Es is ein anderer Tagesrhytmus, dies womöglich weil in Tansania sowieso ein anderer Lebensrhytmus herrscht als ich es mir gewohnt bin. Oftmals muss improvisiert werden, da nicht die gleichen Mittel wie in der Schweiz zur Verfügung stehen. Und doch funktioniert alles.

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